Ziel dieser Arbeitsphase des Projektes „Schule als KunstOrt“ war die modellhafte Erprobung einer Kooperationsstruktur (Vermittlungsperspektive der mitarbeitenden Künstlerin auf unterschiedlichen Ebenen), die sich an der Nachhaltigkeit von künstlerisch-ästhetischen Bildungsimpulsen sowie der Entwicklung von Kriterien für schulkulturelle Kooperationsstrukturen orientieren. Aus diesen wurden übertragbare Rückschlüsse für die Implementierung in andere Schulen und für die Übertragbarkeit auf andere Kontexte gezogen, um somit mittel- und langfristig Kooperationen zwischen Bildungsinstitutionen und Künstlerinnen organisatorisch zu erleichtern und inhaltich zu verbessern. Während die Initiative der Landesregierung mit der Perspektive, mehr Schulen anzusprechen, im Rahmen der „Kultur und Schule“-Projekte einzelnen Schulen eine/n Künstler/in mit einer Doppelstunde in der Woche zur Verfügung gestellt hat, müsste eine modellhafte Implementierung – wenn daraus übertragbare Kriterien für eine Institutionalisierung mit nachhaltigen Bildungswirkungen entstehen sollte – sowohl Kontinuität als auch intensivere Kooperationen ermöglichen, die wir in diesem Projekt zunächst beispielhaft erprobt haben.
Die aktuellen Initiativen zur kulturellen Bildung in OWL und darüber hinaus orientieren sich sowohl an einer soziokulturellen Erweiterung des Bildungsprofils für Schülerinnen und Schüler am Lernort Schule als auch daran, die Angebote der Kulturinstitutionen auch Kindern und Jugendlichen aus bildungsfernen Miliues nahezubringen.
Diese Aufgabe stellt sich in einem Spannungsfeld des Bemühens um eine strukturelle Einbindung in die schulische Organisation und ihre formalen Vorgaben einerseits und zugleich dem Ziel, einer an kulturellen und ästhetisch-künstlerischen Erfahrungen orientierten qualitativen Erweiterung im Lernzugang. Dieser andere Zugang zum Lernen orientiert sich grundsätzlich an den Voraussetzungen, Neigungen und Potenzialen, an deren Erweiterung sowie an der (selbst)kritischen Partizipation der Schüler/innen.
Aus den bisherigen Erfahrungen von Kooperationen von Künstler/innen und Schulen sowohl im Rahmen des Landesprogramms >Kultur und Schule<. als auch im Rahmen der Projekte des fkf-owl und vor dem Horizont weiterer modellhafter Projekte zeigen sich hier Koordinierungsprobleme und -aufgaben im Bereich der konzeptionellen und organisatorischen Vermittlung zwischen Künstler/innen, Schule und Unterricht. Hierbei erscheinen insbesondere die institutionelle Position, die inhaltlich-pädagogische Aufgabenbeschreibung der Künstler/innen innerhalb der Organisation Schule sowie die Bedingungen ihrer Versorgungslage klärungsbedürftig. Die nicht vorhandene institutionelle Einbindung schafft einerseits Spielräume um als „Nicht-Integrierte“ auch künstlerisch unabhängig auf den Ort reagieren zu können, andererseits führt sie u.a. zu Verunsicherungen in der kommunikativen Vermittlung zwischen den Künstler/innen und den Lehrer/innen. Auch die organisatorische Einbindung erweist sich als nicht unkompliziert, insbesondere im Bereich derjenigen Schulen, die den Ganztag bereits mit verpflichtenden Unterrichtsangeboten strukturiert haben.
Das Spannungsfeld der künstlerischen Orientierung zu der historisch tradierten schulischen Lernorganisation erscheint strukturell und systembedingt kurz- und mittelfristig nicht formal auflösbar, sondern bestenfalls über orts- und regionalspezifische geeignete Kooperationspartnerschaften kommunikativ vermittelnd zu überbrücken.
Es geht also im Bereich der Koordinierung um die prinzipielle organisatorische Vermittlung in den konkreten Ablauf der Schule hinein und häufig auch um die kommunikative Vermittlung hinsichtlich des differenten Lernzugangs, sowie um die konzeptionelle Auswahl und Gestaltung der Projekte für die dann ausgewählten Lerngruppen seitens der für diese zuständigen Künstler und Pädagogen.
Die bereits langjährig erprobten Kooperationen von Künstlerinnen des frauenkunstforums-owl mit Schulen in der Region haben im Rahmen der Gruppe Pädkunst inzwischen zu einigen Veröffentlichungen und Dokumentationen geführt (ein aktuelles Exemplar finden Sie in der Anlage). Im Rahmen des diesjährigen Projekts „Impuls – pädagogische KunstOrte“ fand u.a. eine gut besuchte Regionaltagung statt, in der es um Fortbildungsimpulse, um einen Austausch und eine weitere Vernetzung der verschienen Akteure kultureller Bildung in der Region und darüber hinaus ging.
Ein Schwerpunkt der praktischen Arbeit fand bisher an der Bertolt-Brecht-Gesamtschule in Löhne statt. An dieser Arbeit und dem kulturpädagogisch-wissenschaftlichen Konzept >Schule als KunstOrt<. knüpft das beantragte Projekt für das kommende Jahr an.
Während den Künstler/innen hier bislang die Aufage zukam auf den Lernort als Außendstehende mit künstlerisch-pädagogischen Projekten zu reagieren, um dadurch Impulse für das alltägliche schulische Lernen und Leben zu ermöglichen, geht es nun in einem zweiten Schritt darum, an einer strukturellen Implementierung zu arbeiten, die dennoch das Potential der Differenz, die von künstlerischen Lern- und Arbeitsformen ausgehen können, nicht aus dem Auge verlieren. Darüber hinaus, erscheint es auf der Grundlage der bislherigen Erfahrungen sinnvoll, auch den institutionellen Rahmen zu erweitern, das heißt das aktuelle in der Region vorhandene Kooperationsinteresse von Hochkulturinstitutionen aufzugreifgen und in das Projektkonzept einzubauen.
- Realisierung
Der konkrete Plan bestand darin, dass 1 Künstlerin zunächst für ein Jahr 4 Unterrichtsstunden in der Woche mit zwei Klassen gemeinsam mit der Kunstlehrerin zusammenarbeitet. Die MItarbeit dient der Kooperation im Fachunterricht, der Angebotserweiterung durch Projekte, die die Künstlerin einbringt und dazu, eine Kooperation mit der museumspädagogischen Abteilung des Museums Marta (Angela Kahre) inhaltlich sinnvoll einzubinden und oranisatorisch mitzustrukturieren. 6 gemeinsame Termine mit dem Museum sollen in diesem Jahr geplant werden, wovon 4 Besuche der Schüler/innen im Marta und 2-4 Besuche der Mueumspädagoginnen an der Schule stattfinden sollen.
- Nutzen
Das Projekt orientierte sich an einer personalen und ortspezifischen Konzentration im Sinne von Nachhaltigkeit, an einer kulturellen Erweiterung des Bildungsortes Schule sowie daran, den Schüler/innen, die mit "Hochkultur" bislang kaum vertraut sind, exemplarisch einen Museumsort mit verbindlichen Vermittlungspersonen über einen längeren Zeitraum in seinen wechselnden Gestalten vertraut werden zu lassen. Es dient der kommunikativen Vermittlung der unterschiedlichen Perspektiven von Künstler/innen, Lehrer/innen und Museumspädagoginnen im Sinne einer gemeinsamen Gestaltung der Bildungswirkungen.